Prävention von Rückenschmerzen

Rückenschmerz gehört mit einer Punktprävalenz von 40 % unter Erwachsenen und einer 12 Monats – Prävalenz von 40 – 60 % in allen Altersgruppen ab dem 18.Lebensjahr zu einer der bedeutenden Volkskrankheiten in Deutschland. Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen sind enorm. Rückenschmerz nimmt bei Arbeitsunfähigkeitstagen, Erwerbsunfähigkeitsrenten und Rehabilitationsmaßnahmen den ersten Rang ein. Die höchsten Kosten verursacht der chronische Rückenschmerzpatient mit ca.20000 Euro/ Jahr laut einer schwedischen Studie.


Prävention soll neue Schmerzepisoden, Arbeitsunfähigkeitszeiten und ggf. die Inanspruchnahme medizinischer Maßnahmen verhindern. In der wissenschaftlichen Literatur wird bei generell begrenzter Evidenz Programmen, die Bewegung bzw. körperliche Aktivierung beinhalten, die beste Wirkung zugeschrieben. Spezielle Bürostühle, Matrazen und auch die klassische Rückenschule („richtiges Heben und Tragen“) haben keinen nachweisbaren Effekt. Präventionsprogramme kombinieren häufig verschiedene Interventionen (z.B. Training und Information), so dass der wirksame Anteil unklar ist. Auch bleibt umstritten, welche spezifische Form körperlicher Aktivität oder körperlichen Trainings präventiv wirkt. Aufgrund der unzureichenden Daten zur effektiven Vorbeugung setzen wir in der Praxis daher auch Erkenntnisse aus der Rückenschmerztherapie ein.
Prävention und Therapie müssen das komplexe bio-psycho-soziale Erklärungsmodell berücksichtigen. Die Grundlagenforschung belegt den Einfluss sowohl von Überlastung als auch Immobilisation auf den Prozeß der Bandscheibendegeneration. Dabei scheint auch die neuromuskuläre Kontrolle der Rumpfmuskulatur eine wichtige Rolle zu spielen. Zusätzlich weisen Rückenschmerzpatienten in der Regel signifikante Kraft- und Leistungsfähigkeitsdefizite ihrer Rumpfmuskulatur auf.



Ein Training der Rumpfmuskulatur zur Prävention soll die „Rückenfitness“ durch Muskelkräftigung und Verbesserung der Rumpfbeweglichkeit aufrechterhalten bzw. wiederherstellen. Die Verletzungshäufigkeit soll reduziert, Reparationsprozesse gefördert werden. Wahrscheinlich tragen psychologische Faktoren im Sinne einer verbesserten Stimmung und Schmerzwahrnehmung erheblich zur Verstärkung des positiven Trainingseffekt bei. Individuell auf den Patienten abgestimmte Programme fördern die Anbindung des Patienten und steigern die Trainingsintensität. Dieses Ziel verfolgen unterschiedliche Gruppenangebote in der Akademie zur Rückenschmerzprävention. Das analysegestützte Rumpfmuskeltraining ermöglicht eine individuelle Trainingsplanung. Voraussetzung ist die Bestimmung eines qualitativen und quantitativen Profils der muskulären Funktionsstörung.
Beim älteren Menschen ist das Symptom Rückenschmerz in der Regel eingebettet in das Gesamtproblem Lebensqualität und Autonomie. Hier kann Muskeltraining das Aktivitätsniveau maßgeblich beeinflussen und den Verlust der Selbständigkeit im Alltagsleben um Jahre hinauszögern oder gar vermeiden.

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